Seid um das Wohl der Städte besorgt, in die ich euch verbannt habe und betet für sie. Denn wenn es ihnen gut geht, dann geht es euch auch gut. (Jeremia 29,7)

Liebe Gemeindebriefleserinnen und -leser!

Was ist gerade das Beste für uns, unsere Stadt, die Welt? Masken tragen? Oder keine Masken tragen? Noch nicht einmal darüber sind wir uns alle einig. Trotzdem ist unsere Regierung dafür zuständig, angemessene Verhaltensmaßregeln anzusagen und durchzusetzen. – Kein leichter Job! Jeremia schrieb zu seiner Zeit seinen Brief an Menschen im Exil. Nach einem verlorenen Krieg waren sie verbannt worden und lebten in der Fremde unter feindlicher Führung.

„Suchet dieser Stadt Bestes!“
Aber mit dieser Stadt steht es nicht zum Besten. Es ist Babylon und ist der Ort der Verbannung der besiegten Judäer. Fremde Götter scheinen die Welt zu beherrschen. Aber sollen sich die Judäer ihrer Trauer oder den Göttern der neuen Herren ergeben? Keins von beiden rät hier Jeremia. Es genügt nicht, an den Wassern von Babel zu sitzen und zu trauern. Denn Gott wird sich seinem Volk selbst in der Fremde als Herr erweisen. Das Gebet zu ihm ist ein Zeichen des geistlichen Widerstandes, aber auch die Fürsorge für die fremde Stadt, denn sie hat es nötig. Auch wenn der Rat von Jeremia etwas ungewöhnlich klingt, war er doch erfolgreich. Jahre später konnten die einst so hilflosen Judäer von Babylon aus ihre Brüder und Schwestern in Jerusalem tatkräftig unterstützen, ja sogar den Tempel dort wieder neu aufbauen zu lassen. Die Judäer hatten selbst eine geachtete Stellung in der Stadt der Sieger erhalten, obwohl, oder besser gesagt, weil sie dem Gott der Väter treu geblieben waren.

Norbert Prey